Typografie in der Verkehrsinfrastruktur
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Fahr und lies!

Typografie und Piktogramme im Straßenverkehr buhlen um Aufmerksamkeit, leiten ans Ziel und mahnen zur Mäßigung.
Und weil der Kfz-Verkehr im städtischen Bereich zunehmend ein Fall für die Mottenkiste, also bald richtig schön retro sein wird, wollen wir unseren Typografischen Fotostreifzug diesmal dahin unternehmen, wo die letzten Bastionen urbanen Automobilismus anzutreffen sind.
Im Eldorado der Ölstandskontrolle. Pilgerstätten für Freundinnen und Freunde der Fortbewegung mithilfe fossiler Brennstoffe. Hier wird gesaugt, gewaschen, gebürstet, gewachst, gesprayt, getankt. Kommunikation findet zumeist serifenlos in übergroßen Buchstaben und Piktogrammen statt.
Der Toyotahändler wartet seit 25 Jahren sehnsüchtig auf ein gut erhaltenes Exemplar, aber niemand wollte die Celica je wieder zurückgeben. Sie ist wohl ähnlich solide wie die Schrift auf der Fassadenwerbung – und überhaupt die ganze Malerarbeit.
Apropos retro. Zwei Ford Granada MK1 von 1972 im Sonnenaufgang, flankiert von gut 1500 pt großen Buchstaben. Damit der gute Ruf nicht leidet, wird er sicherheitshalber gleich viermal verkündet.
Lkw-Planen werben für Frächter oder Fracht, und manchen von ihnen ist ein zweites Leben als Laptoptasche bestimmt. Die dynamische Typografie auf dem Foto links liebäugelt mit dem rettenden Sprung über die Mauer, versteckt sich aber noch kurz hinter den Ästen und dem Laternenpfahl, bis der Radfahrer vorbeigefahren sein wird.
Rost beeinträchtigt die Lesbarkeit, aber die frei hängenden Metallbuchstaben versprühen weiterhin das elegante Flair der 1920er-Jahre.
Fundstück. Einbahntafel, wie sie schon vor vierzig Jahren ausgelaufen ist – was für ein schöner Pfeil! Das Apcoa-Schild, vermutlich ein Überbleibsel aus den 1980ern, spielt einen munteren Schriftmix. Das Blau und die geschwungene Orientierung nach rechts oben soll den Leuten, die seit einer halben Stunde genervt um den Häuserblock kurven, neuen Mut machen.
Wer es leid ist, im Straßenverkehr bedrängt, geschnitten und angeflegelt zu werden, aber dennoch das Volant nicht aus der Hand legen möchte, begibt sich in den Wiener Wurstelprater und investiert in Autodrom und Go-Kart – um zu erfahren, dass es hier noch schlimmer zugeht: Rempeln und Kreischen, und geschont wird niemand. Wer hätte das angesichts dieser großzügigen Neonlettern geahnt?
Weiter nach Ruhe und Erholung gierend, verlassen wir den Prater flussabwärts und legen irgendwo da draußen an, wo die Zivilisation endet und die unzähligen Buchstaben des Stadtgetriebes wenigen piktografischen Imperativen weichen.
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