Typografie und Präsidenten auf zwei Rädern
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Fahrradbeschriftungen

»›Is it about a bicycle?‹ he asked.«
(Flann O'Brien, »The Third Policeman«)
Seit Jahrzehnten erhalten Fahrräder ihre typografische Identität durch Klebefolien. Ihre Ausgestaltung ist denkbar vielseitig, und was sie eint, ist der knappe Platz, auf dem sie wirken müssen: Metallrohre mit wenigen Zentimetern Durchmesser. 
Das Fahrrad gewinnt auf jeden Fall nicht nur die Ökowertung gegen Kraftfahrzeuge, sondern es verleiht ein deutlich schöneres Lebensgefühl, es ist die elegantere und intelligentere Maschine – Stichwort Effizienz! –, und seine Beschriftungen sind typografisch ausgereifter als der Einheitsbrei auf Automobilen.
Ein KTM Unisex aus den 1980er-Jahren im Stil von »Miami Vice«.
Florida fiel Trump in die Hände, Kalifornien blieb immerhin blau. Der designierte US-Präsident ist der erste seit 1945, der nach eigenem Bekunden noch niemals auf einem Fahrrad gesessen hat und daran auch nichts ändern möchte. Vermutlich hat er das Radfahren nie gelernt, denn ein Minimum an Feingefühl und Selbstbeherrschung gilt als Voraussetzung für den einspurigen Balanceakt. 

Jeder seiner Amtsvorgänger hingegen war entweder begeisterter Radfahrer, ließ sich zumindest zu PR-Zwecken auf dem Fahrrad fotografieren oder förderte den Radsport.
Steyr Waffenrad, vermutlich aus den 1960ern. Die Schrift schlängelt sich um den Gewehrlauf; die farbigen Linien auf Schutzblechen wie auch auf den Felgen sind von Hand gezogen. Wer sich auf der Straße mit diesem grafischen Wunder schmücken will: Das Waffenrad steht zum Verkauf.
Giro – knapp und sportlich auf edlem Silber métallisé. Die Lettern erinnern ein wenig an Zirkusbeschriftungen und fügen sich damit schön in den Themenkreis Rundkurs ein, auch wenn es kein Bahnrad ist, auf dem sie kleben.
Eine Giant-Beschriftung der Extraklasse, das flammenrote Fahrrad dürfte aus den 1980er-Jahren stammen.
Der dänische Hersteller Biomega prägt seinen futuristischen Markenschriftzug in das ovale Rahmenrohr ein.
Das Fahrrad von Cannondale auf den Fotos links wurde vor zwanzig Jahren per Handarbeit hergestellt – in den USA. Mittlerweile lassen beinahe alle amerikanischen und europäischen Marken, auch hochpreisige, ihre Fahrräder in Taiwan produzieren. Das massive Inline-C kommuniziert brachiale Eleganz und passt damit sehr gut zum Fahrzeug.
Das grüne Rad rechts ist ohne jeden Zweifel ebenfalls ein Qualitätsprodukt mit dem gewissen typografischen Etwas, auch wenn sein Exotismus aus heutiger Perspektive – na ja; betrachten wir es eben einfach als zeitgeschichtliches Dokument. Erodierte Beschriftungen üben eine ungeheure Anziehungskraft aus.
Wir streben nach oben, zur Baumgrenze und darüber hinaus: energische Typografie auf allen Bauteilen dieser modernen Cube-Geländemaschine.
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